Oh Schreck, Babys!

Wir möchten euch vorab bitten, in keinem Fall „einfach so“ oder „nur einmal“ eure Ratten geplant Babys bekommen zu lassen. Wir sind gegen jegliche Vermehrung von Nagern und haben tagtäglich damit zu kämpfen, die unzähligen Tiere von jung bis alt in den Tierheimen in ein gutes zu Hause zu vermitteln. Es ist absolut nicht nötig, Ratten und auch andere kleine Nager zu vermehren um selbst Babys zu haben. Wir möchten euch hier nach und nach veranschaulichen, wie Rattenbabys sich entwickeln und versuchen euch alles wichtige zu erklären. Viele Notfallvermittler nehmen trächtige Weibchen oder Mamas mit Würfen bei sich auf, weil sie aus schlechten Verhältnissen kommen, ausgesetzt wurden o.ä.

Wenn dir der Fall passiert ist, dass du unwissend eine Ratte des anderen Geschlechts zu deinen gelassen hast (z.B. Zooladenkauf, Weibchen als Bock vermittelt, daheim mit den Böcken integriert = Weibchen trächtig) musst du das/die Männchen unbedingt vor der Geburt von dem Weibchen trennen, da sie sonst sofort nach der Geburt wieder gedeckt werden kann. Wenn das Weibchen erst nach der Geburt vom Bock getrennt wurde sollte man mit seinem Tierarzt besprechen ob man dem Weibchen Alizin spritzen lassen kann. Alizin ist ein Medikament welches die Schwangerschaft unterbricht, dies ist möglich solange der Tierarzt noch keine Babys tasten oder im Ultraschall sehen kann. Es klingt erstmal schlimm, eine Geburt einfach so „abzubrechen“, allerdings erspart ihr eurer Ratte dadurch eine weitere mit Schmerzen verbundene Geburt die sie mit dem zweiten Wurf noch mehr Energie kosten wird als mit dem ersten. Alizin sollte auch bei Weiblichen Fundratten unbedingt beim Tierarzt angesprochen werden, da Weibchen draußen auch von Wilden Rattenböcken gedeckt und dadurch Halbwilde Ratten geboren werden können.

Ein Rattenweibchen trägt im Schnitt knapp 21 Tage, die Babys kommen dann nackt, mit geschlossenen Augen und Ohren auf die Welt. Für die kleinen ist es sehr wichtig warm zu bleiben, liegt mal ein Baby abseits vom Wurf versucht es insinktiv wieder dort hin zu robben. Auch die Mamas sind in den ersten tagen sehr darauf bedacht, alle Babys an einem Ort zu haben, sie werden gesäugt und von der Mama sauber und warm gehalten. Die Babys entwickeln sich rasend schnell und sehen jeden Tag anders aus. Bei der Mutter sieht man nach der Geburt ganz deutlich die Zitzen, man sollte diese regelmäßig kontrollieren da sie sich entzünden können was für die Mama dann sehr schmerzhaft ist.

IMG_6234 KopieEs ist wichtig, Babys so bald wie möglich täglich ein paar mal in die Hand zu nehmen, damit sie zahm werden. Wann man damit anfängt hängt auch ein wenig von der Mutter ab, ist sie sehr gestresst lassen wir die Babys ein paar Tage mehr in Ruhe, ist sie entspannt und selbst auch am Mensche interessiert kann man ab Tag 5 anfangen die Babys für ein paar Minuten in die Hand zu nehmen, bitte achtet hierbei darauf dass ihr mehrere Babys nehmt und diese möglichst warm haltet damit diese nicht auskühlen. Am Anfang werden die Babys schnell in der Hand einschlafen, je älter sie werden desto mehr fangen sie an herum zu krabbeln. Für die Mama muss man dringend für Eiweißreiche Nahrung sorgen, die Aufzucht ist extrem anstrengend und sie benötigt viel Energie. Man kann gekochte Eier, Thunfisch, körnigen Frischkäse (laktosefrei), Joghurt (laktosefrei) o.ä. anbieten. Natürlich, wie bei allen Ratten, gehört Trockenfutter rund um die Uhr und Frischfutter täglich zum normalen Speißeplan.

Die Geschlechter der Babys kann man, je nach Erfahrung auch schon an den kleinen Würmchen bestimmen. Hier ist es am einfachsten wenn man nach dem Abstand zwischen der Harnröhre und dem After schaut. Bei Männchen ist dieser Abstand deutlich größer als bei Weibchen, man kann sich dies merken weil bei den Männchen zwischen Harnröhre und After die Hoden Platz haben müssen. Geschlechtsbestimmung Babys

Bei den Weibchen sieht man in gutem Licht winzige Punkte am seitlichen Bauch, welche die Zitzen werden. Diese sieht man noch etwas besser wenn der erste Fellflaum wächst.

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In den ersten Tagen sind die kleinen komplett nackt, taub und blind. Das einzige, was wir in dem Alter tun ist zu schauen, ob alle gut gesäugt werden und Milchbäuche haben, die gefüllten Mägen kann man unter der Haut deutlich sehen. Ab Tag 2-3 kann man die zukünftige Zeichnung/Farbe erkennen, die Vibrissen wachsen.

Ab dem 5. Tag werden die Babies täglich ein paar Minuten in die Hand genommen, sie kriegen schon den ersten Flaum, die Vibrissen sind nun deutlich zu erkennen, auch Krallen Bilden sich. Die Ohren stehen schon ein wenig vom Kopf ab.

Wir haben uns dann mit den Babys und der Mama immer auf dem Sofa eingemummelt, man kann sich einen Schaal anziehen und die Babys sicher darin platzieren oder sie auf dem Schoß in einer Decke/Handtuch oä. knuddeln. Wir sprechen von Anfang an mit den kleinen, auch wenn die Ohren noch geschlossen sind nehmen sie Geräusche wahr.

Sehr süß ist es, wenn man eins der Kleinen gähnen sieht.

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In der zweiten Woche fangen die Babys schon mehr und mehr an zu krabbeln, das Fell wächst und die kleinen halten sich an allen möglichen Dingen fest. Ab dem 12.-14. Tag können die kleinen richtig hören, da die Ohren sich öffnen und auch die Augen gehen nun auf. Ab jetzt wird es auch für uns als Zieheltern etwas stressiger, die kleinen laufen herum wie Torpedos und wollen am liebsten die ganze Welt erkunden. Trotzdem sind sie schnell erschöpft und liegen dann wieder zusammen in einem Kuschelhaufen, auch gesäugt werden sie noch.

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In der dritten Woche fangen sie an so richtig Ratte zu sein, es wird alles probiert was ihnen zwischen die Zähnchen kommt, beim Frischfutter wird schon fleißig mit probiert und auch Trockenfutter gehört immer mehr zu ihrem täglichen Speißeplan, allerdings werden sie auch noch ein paar mal am Tag gesäugt. Nun erkennt man bei den Böckchen schon deutlich die Hoden, sie genießen ihre letzten tage bei Mama und den Schwestern.

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Mit Tag 32 werden die Jungs dann von den Mädels und der Mama getrennt, ließe man sie länger zusammen bestünde die Gefahr dass die Mama von ihren Söhnen gedeckt wird. Die Jungs bleiben in unserer Pflegestelle noch bis mindestens zur 6.-8. Woche als Spielgruppe mit den Brüdern zusammen und erst danach werden sie abgegeben. In diesem Alter lernen sie sehr viel voneinander, was zu einer guten Sozialisierung für das restliche Leben beiträgt. Die Mädels dürfen so lange man will bei Mama bleiben, auch sie sollten erst ab der 6-8. Woche in ein neues zu Hause ausziehen. Wichtig ist es, dass nie ein Baby alleine vermittelt wird. Jedes Baby braucht mindestens einen gleichalten und bekannten Gefährten. (also auch nicht ein einzelnes Baby aus seiner gewohnten Umgebung heraus nehmen und im neuen heim mit gleichalten vergesellschaften, die Ratten dort kennt das kleine nicht und ist somit sehr gestresst dort ganz alleine an zu kommen) Wenn jemand die Mami und Babys übernehmen möchte sollte man darauf achten dass im neuen zu Hause Ratten sind die ungefähr im Alter der Mama sind und dass mindestens zwei Babys mit Mama dorthin ausziehen, damit auch dort das Baby nicht alleine als so junges Rudelmitglied lebt.