Ratten miteinander vergesellschaften

Ratten sind sehr revierbezogene Tiere weshalb man neue und sich fremde Tiere niemals einfach so zusammen setzen darf. Eine Integration läuft in mehreren Schritten ab und sollte langsam durchgeführt werden. Die neuen Ratten müssen einen zweiten Käfig haben, der bestenfalls in einem anderen Raum, mindestens aber mehrere Meter vom Käfig des bisherigen Rudels entfernt stehen sollte. Der Grund hierfür ist, dass das Revier eines Rudels nicht mit der Käfigwand aufhört, sondern noch darüber hinaus geht, d.h. wenn sie zu nah aneinander stehen, produziert das Stress, da die Tiere sich gegenseitig im eigenen Revier riechen, aber keine Rangordnung klären können. Diese Aggressionen können sich beim ersten Zusammentreffen abladen.

Man sollte sich im Klaren sein, dass ein Umzug für Ratten sehr viel Stress und Angst bedeutet und sollte den neuen Ratten deshalb mindestens eine Woche Eingewöhnungszeit gönnen. Es sind schließlich viele neue Eindrücke, neue Gerüche, neuer Käfig und neue Menschen, die auf einmal auf die Ratte/n einwirken.

Je nachdem wo die Ratten herkommen sollte man auch eine Quarantänezeit unbedingt einhalten. Dies ist besonders dann wichtig, wenn die Ratten nicht aus einer seriösen Pflegestelle oder einem guten Tierheim kommen oder gar ausgesetzt wurden. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass man die eigenen Tiere mit Krankheiten ansteckt oder Parasiten und Würmer überträgt. All dies sollte dann vorher abgeklärt werden. (Kotprobe, Tesa-Abklatsch, Tiere genau beobachten ob sie Anzeichen für eine bestimmte Erkrankung haben oder sich vermehrt kratzen, Schorf aufweisen usw.)

Außerdem muss vor der Inti klar sein, dass alle beteiligten Ratten über 10 Wochen alt, oder alle jünger als 10 Wochen sein müssen. Das ist sehr wichtig, da Babys unter 10 Wochen noch kein ausgeprägtes Revierverhalten haben und mit Drohungen oder Rangkämpfen der Erwachsenen noch gar nichts anfangen können, das kann böse ausgehen und endete schon bei einigen unerfahrenen Haltern tödlich.

Wenn diese Faktoren ausgeschlossen oder behandelt wurden kann die Inti beginnen.
Als erstes wählt man einen neutralen Ort (wo noch keine Ratte vorher war) für die Treffen aus. Für kleine Gruppen eignet sich die Dusche, Badewanne oder ein abgegrenzter Teil des Badezimmers. Es sollte nicht zu viel Platz sein, da sich die Ratten nicht aus dem Weg gehen dürfen.

Außerdem sollte man sich vor den ersten Treffen mit einer zusammengerollten Zeitung oder einem Kehrbesen „bewaffnen“ damit man die Ratten auseinander halten kann, falls es zu Beißereien kommt. Im Streit kann es passieren, dass die aufgeregte Ratte nicht zwischen Hand und anderer Ratte unterscheidet und man möchte ja nicht gebissen werden.

Bei den ersten Treffen ist in dem Auslaufbereich nichts außer eine frische Decke gegen kalte Füßchen. Kein Futter, kein Wasser und vor allem keine Häuser. Ganz wichtig ist es, dass man die Ratten niemals alleine lässt, bevor sie sich nicht wirklich sichtbar gut verstehen. Auch wenige Sekunden können bei schwierigen Ratten ausreichen um eine andere zu beißen. Man sollte deshalb immer neben dem Intibereich stehen oder Sitzen und in jede Ecke gut eingreifen können um ggf. schnell zu trennen. Vor den treffen sollte man sich mit einem Handkehrbesen oder einer aufgerollten Zeitung „bewaffnen“ da man nie weiß, wie die einzelnen Ratten reagieren und im Streit auch eine eingreifende Hand versehentlich gezwickt werden kann.
Das erste Treffen fängt man mit ca 5 Minuten an und steigert, wenn es gut geht, die Zeit jeden Tag um ein paar Minuten. 5, 10, 20, 40, 60 Minuten usw… Wenn nach einer Stunde immer noch alles gut geht, kann man versuchen etwas Brei oder anderes Leckeres mit hinein zu stellen. Nach ein paar Stunden kann man es mit einem neutralen Haus, am besten ein Karton mit mehreren Eingängen, versuchen. Die Treffen sollten mehrere Tage bis zu 4 Stunden am Stück ruhig verlaufen.

Dann kann man mit der Truppe in den normalen Rudelauslauf wechseln. Auch dort bitte erstmal keine Häuser usw. bereitstellen. Wenn der Auslauf sehr groß ist (z.B. ein ganzes Zimmer) bitte erstmal einen Teil absperren. Auch hier sollen sie sich ja nicht aus dem Weg gehen. Im normalen Auslauf wird es nochmals zu Streitereien kommen. Hier kann man meist schon mit einer halben Stunde das „erste“ Treffen ansetzen. Auch hier wird die Zeit dann gesteigert, bis hin zu mindestens 4 Stunden. Nach und nach kann Futter, Brei, Häuser und auch Käfiginventar mit in den Auslauf gestellt werden.

Wenn sie nun mehrere Tage am Stück lieb zueinander waren, gekuschelt und miteinander gefuttert haben, fängt man mit dem Käfigputz an. Es sollte alles gründlichst gesäubert, Einrichtung wenn möglich gewaschen und danach umgestellt werden. Dann können die beiden Parteien einziehen. Man sollte sie aber in den nächsten Tagen sehr genau beobachten!

 

Welches Verhalten ist bei Integrationen normal?

Bei Integrationen fangen die meisten Ratten erst mal an zu borsteln (siehe Bild 1), das bedeutet, dass sich das Fell der Ratten aufstellt und sie viel größer wirken. Das kann z.B. auch dann passieren, wenn man den Geruch der Rudel untereinander austauscht, z.B. wenn man vorher eine andere Ratte gestreichelt hat, die nicht zum Rudel gehört und somit anders riecht. Meist beginnen die Treffen mit viel Action, hinterherlaufen und gegenseitiges beschnuppern (Bild 2)

Es gibt viele Situationen während der Intitreffen, die für uns Menschen schlimm aussehen, aber völlig normal sind. Dazu gehören z.B. das auf den Rücken werfen (siehe Bild 3, 4, 5), sich gegenüber stehen und mit den Zähnen klappern (siehe Bild 6) oder auch sehr grobes gegenseitiges Putzen. Auch sollte man sich daran gewöhnen, dass während der Inti oft gequietscht wird.

Nach einigen Treffen wird dieses aggressive Verhalten immer weniger werden und man kann die Zeit des Zusammentreffens steigern. Irgendwann wird die Gruppe sich völlig normal miteinander verhalten, zusammen Futtern (siehe Bild 7) und sich irgendwann zusammen kuscheln (siehe Bild 8, Bild 9 schon mit Einrichtung)

Bild 1:

IMG_0991 Kopie

Bild 2:

IMG_1884

 

Bild 3:

IMG_9253 Kopie

Bild 4:

IMG_0963 Kopie

Bild 5:

IMG_0836

Bild 6:

IMG_9297

Bild 7:

IMG_1982 Kopie

Bild 8:

IMG_9410 Kopie

Bild 9:

IMG_2603

Was darf bei einer Inti nicht passieren?

Es ist ganz wichtig, dass man die Ratten wieder trennt, sobald es zu grob wird, sie sich z.B. viel jagen oder sich aggressiv angreifen. Ein guter Anhaltspunkt ist, wenn sich die Ratten während der Unterwerfung (auf den Rücken drehen) zu einem so genannten „Ball“ entwickeln, d.h. sie lassen nicht mehr von einander ab und quietschen laut, während sie sich zu zweit über den Boden rollen. Manchmal sieht das aus wie ein hüpfen. Dann sollte man sofort trennen, denn dann kann es schnell zu Bissen kommen.

Wichtig ist, dass KEIN Blut fließt. Sie dürfen sich jagen, unterwerfen, „boxen“ usw. aber sobald sie so aggressiv sind, dass es zu Bissen oder Kratzern kommt sollte man trennen und am nächsten Tag weitermachen.

Außerdem darf man am Anfang (bis sie sich gut verstehen und ein paar Stunden zusammen sind) niemals von den Treffen weg gehen und die Ratten alleine lassen.

Man braucht bei Intis manchmal sehr viel Geduld und starke Nerven, manche Integrationen dauern nur 2-3 Wochen, andere gehen über Monate. Selbst wenn sich am Anfang keine Besserung zeigt, man sollte nicht einfach wieder aufgeben. Ratten sind sehr revierbezogene Tiere und bei manchen dauert es länger, bis sie neue Ratten akzeptieren.